Fachwörter-Lexikon (Glossar) zu psychischen Störungen

Fachbegriffe zu psychischen Störungen verständlich erklärt

Zahlreiche Begriffe, die Psychiater verwenden und die Sie in diesem Online-Ratgeber lesen, sind Fremdwörter oder Abkürzungen. In diesem Fachwörter-Lexikon (Glossar) werden wichtige Fachbegriffe in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet und verständlich erklärt.

Fremdwörterbuch, in dem wichtige Fachwörter aus der Psychiatrie nachgeschlagen werden können

Zahlreiche Fachbegriffe aus der Psychiatrie werden in diesem Fachwörter-Lexikon in alphabetischer Reihenfolge erklärt: Von A wie ADHS bis W wie Wahn.

A B C D E G H I K M N P R S T U V W

A

ADHS Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Die Entwicklungsstörung äußert sich durch Verhaltensauffälligkeiten und Probleme in der Aufmerksamkeit und der Impulskontrolle sowie durch körperliche Unruhe.
Affekt Gemütsbewegung, starke Gefühlserregung bis hin zu einer krankhaften Steigerung.
Affektive Störung Sammelbegriff für psychische Störungen, bei denen die Grundstimmung eines Menschen krankhaft gegenüber dem „Normalzustand“ verändert ist. Zu den affektiven Störungen gehören insbesondere die Depression und die Bipolare Störung.
Agitation Agitation ist ein Syndrom, das durch die Symptome psychomotorische Unruhe, Erregung und Gespanntheit gekennzeichnet ist und das von stillem Negativismus bis hin zu offener Feindseligkeit reichen kann. Eine ausgeprägte Agitation kann zu einer lebensgefährlichen Situation für den Betroffenen und sein Umfeld führen und sollte daher wie ein medizinischer Notfall behandelt werden.
Agitiertheit siehe Agitation
Akathisie Sitz- oder Stehunruhe, das heißt, der Patient ist nicht in der Lage, längere Zeit still zu sitzen oder zu stehen. Die Bewegungsstörung kann als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten.
Akut plötzlich auftretend, schnell, heftig verlaufend (Gegenteil: chronisch)
Akutphase Phase, in welcher die Symptome einer Erkrankung erstmals (oder nach vorangegangener Besserung wieder) auftreten und rasch zunehmen.
Alzheimer Fortschreitende, unheilbare Erkrankung des Gehirns, die zu Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit führen kann. Benannt nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer (1864–1915).
Anamnese Krankengeschichte; Beginn und Verlauf der aktuellen Beschwerden, die der Arzt im Gespräch mit dem Patienten erfragt.
Antidementiva Medikamente, die kognitive Fähigkeiten, das heißt Gedächtnisfunktionen sowie Konzentrations-, Lern- und Denkfähigkeit bei Demenzerkrankungen verbessern können.
Antidepressiva Gruppe von Medikamenten (Psychopharmaka), die stimmungsaufhellend, angstlösend, antriebssteigernd oder -dämpfend wirken und daher vor allem in der Therapie von Depressionen eingesetzt werden.
Antipsychotika Neuere Bezeichnung für Neuroleptika; Gruppe von Psychopharmaka mit antipsychotischer, sedierender und psychomotorisch dämpfender Wirkung, die vor allem zur Behandlung einer Psychose eingesetzt werden.

B

Benzodiazepine Psychopharmaka aus der Gruppe der Tranquilizer mit angstlösender, beruhigender, muskelentspannender und krampflösender Wirkung. Bipolare Störung Kurzbezeichnung für bipolare affektive Störung, früher auch manisch-depressive-Erkrankung genannt. Kennzeichnend ist das abwechselnde Auftreten von depressiven und manischen Phasen. Borderline Englisch: Grenzlinie oder Grenzgebiet, da ursprünglich als seelische Störung im Grenzgebiet zwischen Psychose und Neurose angesiedelt. Heute Bezeichnung für eine Unterform der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung.

C

Chronisch langsam entwickelnd, langsam verlaufend, lang andauernd (Gegenteil: akut)</td

D

Delirium/Delir Akute organische Psychose mit Bewusstseinsstörung, Desorientiertheit, Halluzinationen, affektiven (Angst, Reizbarkeit) und vegetativen Störungen (Schwitzen, Herzrasen) und motorischer Unruhe.
Demenz Oberbegriff für eine Vielzahl von Krankheitsbildern, bei denen es zu chronisch fortschreitenden degenerativen (funktionsmindernden) Veränderungen des Gehirns mit Verlust geistiger Fähigkeiten kommt.
Denkstörung Bei einer formalen Denkstörung ist der Denkprozess in der Geschwindigkeit (beschleunigt, verlangsamt), im Ablauf (umständlich, eingeengt) oder in der logischen Struktur (Ideenflucht, Zerfahrenheit) gestört. Inhaltliche Denkstörungen betreffen den Inhalt des Denkens, zum Beispiel fehlender Realitätsbezug bei Wahn.
Depressive Episode Vorübergehende Krankheitsphase mit gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und Verminderung des Antriebs.
Desorientiertheit Störung der zeitlichen, räumlichen oder situativen Orientierung.
Disposition Krankheitsbereitschaft; die angeborene oder erworbene Anfälligkeit einer Person für Erkrankungen.
Dopamin Botenstoff (Neurotransmitter) des Gehirns, dessen gestörte Aktivität nachweislich mit Schizophrenie zusammenhängt.
Dopaminagonist Wirkstoff, der wie Dopamin wirkt und Dopamin-Rezeptoren stimuliert (auch Dopaminrezeptoragonist).
DSM-5 Abkürzung für „Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen“ in der 5. Auflage. Klassifikationssystem der amerikanischen Psychiatrie-Vereinigung APA (American Psychiatric Association), in dem 374 Krankheiten und Störungen definiert werden.
Dyskinesie Bezeichnung für Bewegungsstörungen, die meist durch Medikamente ausgelöst werden; zum Beispiel abnorme Bewegungen der Zunge, des Kinns und der Wangen.

E

Endogen im Körper selbst entstanden, nicht von außen zugeführt
Endogene Psychose Sammelbezeichnung für eine Psychose endogener Ursache, gleichbedeutend mit primärer oder funktioneller Psychose, zum Beispiel Schizophrenie.
Exogen außerhalb des Körpers entstanden, von außen in den Körper eindringend
Exogene Psychose Von äußeren oder organischen Ursachen herrührende Psychose, zum Beispiel aufgrund von Alkohol- oder Drogenmissbrauch, seltener auch infolge körperlicher Erkrankungen wie Hormon- oder Stoffwechselstörungen; gleichbedeutend mit sekundärer oder symptomatischer Psychose.
Extrapyramidale Symptome (EPS) Auftreten von unwillkürlichen, nicht steuerbaren Bewegungen als Folge einer körperlichen Störung oder als unerwünschte Wirkung von Antipsychotika.

G

GABA Abkürzung für Gamma-Aminobuttersäure, wichtigster hemmender (inhibitorischer) Botenstoff (Neurotransmitter) im Zentralnervensystem.
Generalisiert auf den gesamten Körper oder ein Organsystem ausgebreitet, das Gegenteil von örtlich begrenzt (lokal)
Generalisierte Angststörung Angst, die sich verselbständigt hat und nicht auf bestimmte Situationen beschränkt ist.
Gliazellen Zellen im Nervengewebe, die nicht an der Erregungsleitung beteiligt sind, sondern wichtige Hilfs- und Unterstützungsfunktionen haben. Sie bilden die sogenannten Myelinscheiden, welche die Nervenfasern umgeben. Fast 90 Prozent aller Zellen im Zentralnervensystem sind Gliazellen.

H

Halluzinationen Sinneswahrnehmungen ohne entsprechenden Sinnesreiz, die für einen wirklichen Sinneseindruck gehalten werden, zum Beispiel Hören real nicht vorhandener Stimmen.
Hebephrene Schizophrenie Unterform der Schizophrenie, die vor allem durch Störungen des Antriebs und Affekts sowie durch formale Denkstörungen charakterisiert ist.
Hyperkinesie Gesteigerte Bewegungsaktivität, psychomotorische Unruhe, die zum Beispiel im Rahmen einer affektiven Psychose auftreten kann.
Hypomanie Abgeschwächte Form der Manie. Die Symptomatik ist ähnlich, aber wesentlich schwächer ausgeprägt.

I

ICD-10 Weltweit anerkanntes, medizinisches Klassifikationssystem der Krankheiten und verwandten Gesundheitsprobleme in der 10. revidierten Fassung. Nach diesem Katalog werden in Deutschland Diagnosen verschlüsselt. Das ist eine Voraussetzung, damit Ärzte und Krankenhäuser Leistungen mit Krankenkassen abrechnen dürfen.
Ich-Störungen Gestörtes Erleben der eigenen Persönlichkeit, wobei die Grenzen zwischen dem Selbst und der Umwelt verschwimmen; Gedanken, Handlungen und Gefühle werden erlebt, als würden sie von außen eingegeben oder könnten sich auf andere ausbreiten.
Impulsivität Spontanes Handeln aus dem Moment heraus, ohne Nachdenken und Planung als Reaktion auf Außenreize oder innere Impulse; Symptom bei verschiedenen psychischen Störungen, zum Beispiel ADHS oder Borderline.

K

Katatone Schizophrenie Unterform der Schizophrenie, die vor allem durch Störungen der willentlichen Bewegungen charakterisiert ist. Dabei nehmen die Erkrankten eigenartige Haltungen ein, in denen sie längere Zeit verharren.
Kognition Bezeichnung für Prozesse der Informationsverarbeitung, zum Beispiel Planen, Lernen, Urteilen, Schlussfolgern, Erinnern.
Kognitive Störung Sammelbegriff für Beeinträchtigungen der äußeren und inneren Informationsverarbeitung im Gehirn, zum Beispiel Gedächtnisstörung, Denkstörung, Unfähigkeit zur Abstraktion, Festhalten an einer Überzeugung; Vorkommen unter anderem bei Schizophrenie und Demenz.
Kognitive Therapie Form der Psychotherapie, die den Patienten veranlasst, seine Situation zu überdenken, krankheitsfördernde Muster in Einstellungen und Verhalten zu erkennen und dieses zu verändern.

M

Manie Form der affektiven Psychose mit unangemessen gehobener Stimmung, gesteigertem Antrieb, Denk- und Schlafstörungen, materiellem Verschwendungsverhalten bis hin zum Größenwahn; Vorkommen meist im Rahmen einer bipolaren Störung.
Minussymptome Gleichbedeutend mit Negativsymptomatik, Fehlen oder Verminderung früher vorhandener psychischer Fähigkeiten und Eigenschaften, zum Beispiel fehlender Antrieb, Verlust von Interessen und Emotionen, Sprachverarmung, Verlust der Lebensfreude, sozialer Rückzug.
Motorik Gesamtheit der vom Zentralnervensystem kontrollierten Bewegungsvorgänge.
Myelinscheide Die auch Markscheide genannte fettreiche Struktur, welche die Nervenfasern (Neuronen) wie die Isolationsschicht bei einem Kabel schützend umschließt.

N

Negativsymptomatik siehe Minussymptome
Neuroleptika siehe Antipsychotika
Neuron Nervenzelle, spezialisierter Zelltyp, der für die Reizaufnahme sowie Weiterleitung und Verarbeitung von Nervenimpulsen zuständig ist.
Neurose Bezeichnung für verschiedene seelische Störungen ohne nachweisbare körperliche Ursachen, bei der im Gegensatz zur Psychose der Realitätskontakt wenig oder gar nicht gestört ist. Heute ist der Begriff im DSM-5 und ICD-10 als Diagnose nicht mehr enthalten, weil präzisere Bezeichnungen existieren, unter anderem Angststörung oder posttraumatische Belastungsstörung.
Neurotransmitter Kleine Moleküle, die von Nervenenden freigesetzt werden und als chemische Botenstoffe im Nervensystem wirken, zum Beispiel Dopamin, Serotonin, GABA, Adrenalin, Noradrenalin und andere.

P

Paranoia Seltene Form der Psychose, in deren Mittelpunkt ein lang andauernder Wahn steht, zum Beispiel Liebes-, Eifersuchts- Größen- oder Verfolgungswahn; keine anhaltenden Halluzinationen oder schizophrene Symptome.
Paranoid wahnhaft
Paranoide Schizophrenie Unterform der Schizophrenie, die durch beständige Wahnvorstellungen gekennzeichnet ist, meist begleitet von akustischen Halluzinationen und Wahrnehmungsstörungen. Störungen der Stimmung, des Antriebs und der Sprache.
Pharmakotherapie Behandlung mit Arzneimitteln
Phasenprophylaxe Behandlung bei bipolaren Störungen, um manischen und depressiven Phasen vorzubeugen, zum Beispiel mit Lithium.
Plussymptome Bei Schizophrenie neu zum vorbestehenden psychischen Zustand hinzutretende Krankheitssymptome, zum Beispiel Halluzinationen, Wahn, Ich-Störungen, Unruhe, Antriebssteigerung, gleichbedeutend mit Positivsymptomatik.
Positivsymptomatik siehe Plussymptome
Postschizophrene Depression Depression, die im Verlauf der Schizophrenie, insbesondere nach Abklingen der akuten Krankheitsphase, auftritt.
Posttraumatisch nach einer seelischen oder körperlichen Verletzung (Trauma) entstanden
Posttraumatische Belastungsstörung Entsteht Wochen bis Monate nach einem belastenden Ereignis mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks), Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit auftreten.
Prodromalsymptome Frühsymptome, die auf eine Erkrankung, zum Beispiel eine Psychose, hinweisen.
Psychoedukation Aufklärung von Patienten und Angehörigen über physische und psychische Erkrankungen; kann von Ärzten, Psychologen oder speziell ausgebildetem Pflegepersonal durchgeführt werden.
Psychomotorik Bezeichnet den Einfluss der Psyche auf alle willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen des menschlichen Organismus. Dazu gehören Bewegungen von Armen und Beinen, Ausdrucksbewegungen (Mimik, Gestik), Reaktivbewegungen (Bewegungen als Reaktion auf äußere Reize) sowie die Körperhaltung.
Psychose Sammelbegriff für eine Gruppe schwerer psychischer Störungen, die durch einen vorübergehenden weitgehenden Verlust des Bezugs zur Realität und eine weitgehend fehlende Krankheitseinsicht gekennzeichnet sind. Psychotische Symptome treten zum Beispiel bei Schizophrenie, schweren depressiven und manisch-depressiven Störungen und einigen Formen von Drogen- und Alkoholmissbrauch auf.
PTBS Abkürzung für posttraumatische Belastungsstörung.

R

Rehabilitation Wiederherstellung der physischen und/oder psychischen Fähigkeiten eines Patienten im Anschluss an eine Erkrankung.
Remission Das vorübergehende oder dauerhafte Nachlassen von Krankheitssymptomen.
Rezidiv Rückfall, Wiederauftreten einer Krankheit oder psychischen Störung nach einer Behandlung, die zeitweilig erfolgreich war.

S

Schizoaffektive Störung Psychische Erkrankung bei der sowohl affektive als auch schizophrene Symptome auftreten, aber die weder die Kriterien für Schizophrenie noch für eine depressive oder manische Episode erfüllen.
Schizophrenes Residuum Chronisches Stadium in der Entwicklung einer schizophrenen Krankheit, das durch langandauernde Minussymptome charakterisiert ist.
Schizophrenia simplex Seltene Unterform der Schizophrenie, mit chronisch fortschreitender Entwicklung einer charakteristischen Negativsymptomatik ohne vorhergehende produktive psychotische Symptome.
Sedativa Beruhigungsmittel, zum Beispiel Tranquilizer und Schlafmittel, die in niedriger Dosierung beruhigend (sedierend) wirken.
Serotonin Neurotransmitter und Gewebshormon mit vielfältigen Wirkungen, insbesondere auf das Nervensystem und Herz-Kreislauf-System sowie den Magen-Darm-Trakt.
Somatisch körperlich
Soziotherapie Ambulante Versorgungsleistung für Patienten mit schweren psychischen Störungen, die sie in die Lage versetzen soll, andere medizinische Behandlungen in Anspruch zu nehmen.
Stupor Bewegungsstarre
Symptom körperliches oder psychische Zeichen einer Erkrankung oder Störung
Synapse Verbindungsstelle zwischen zwei Nervenzellen oder zwischen Nervenzelle und Muskelzelle; Synapsen sorgen für die Übertragung des Erregungsimpulses von einer zur anderen Zelle.

T

Tranquilizer Gruppe verschiedener Substanzen, die je nach Wirkstoff oder Dosierung eine angstlösende, schlaffördernde, muskelentspannende oder krampflösende Wirkung haben, zum Beispiel Benzodiazepine.

U

Unipolare Depression Häufigste Form der depressiven Erkrankung; gleichbedeutend mit Depression, jedoch gibt es im Gegensatz zur bipolaren Störung keine manischen Episoden.

V

Vaskuläre Demenz Durch Gefäßveränderungen hervorgerufene Erkrankung des Gehirns, wobei Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden.
Vulnerabilität Verletzlichkeit, biologisch, psychisch und/oder soziokulturell bedingte Anfälligkeit für eine Erkrankung.

W

Wahn Krankhafte Fehlbeurteilung der Realität, zum Beispiel die unkorrigierbare Überzeugung, verfolgt zu werden, obwohl real keine Verfolgung besteht.