Was sind Ursachen für Agitiertheit?

Eine agitierte Patientin lehnt mit verschränkten Armen an einer Wand und dreht sich ständig hin und her

Neben zahlreichen psychiatrischen Störungen können auch starke Schmerzen oder organische Erkrankungen zu Agitationen führen.

Die Ursachen für Agitation sind vielfältig: Agitiertheit kann als Symptom bei fast allen psychiatrischen Störungen auftreten, zum Beispiel bei kognitiven Störungen wie Demenz oder Schizophrenie. Bei mehr als der Hälfte aller stationären Aufnahmen von Patienten mit der Diagnose Schizophrenie spielte Agitation eine besondere Rolle1.

Recht häufig sind Agitationen bei affektiven Störungen, wie der bipolaren Störung und der Depression. Auch bei neurotischen Störungen, zum Beispiel Angst- und Panikstörungen können Agitationen auftreten.

Treten Anzeichen von Agitation bei Kindern auf, kann dies ein Hinweis auf eine Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein. Neben dem übermäßigen Bewegungsdrang sind Konzentrationsschwierigkeiten sowie eine Neigung zu impulsivem Handeln charakteristische Kennzeichen dieser Störung.

Körperliche Auslöser für Agitiertheit

Mögliche organische (somatische), das heißt körperliche Auslöser für eine Agitation, sind unter anderem:

  • Neurologische Erkrankungen: zum Beispiel Parkinson, Epilepsie, Hirntumor, Schädel-Hirn-Trauma
  • Infektionen: zum Beispiel Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Stoffwechselstörungen: zum Beispiel Unterzuckerung (Hypoglyklämie) bei einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder nach längerem Fasten; Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
  • Sauerstoffmangel (Hypoxie): zum Beispiel in Folge einer COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
  • Elektrolyt-Entgleisung: zum Beispiel in Folge einer Diuretika-Behandlung (Entwässerung) bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz), bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
  • Dehydrierung (Austrocknung)
  • Starke Schmerzen

Als Auslöser für die psychomotorischen Erregungszustände kommen außerdem Alkohol-Missbrauch, Drogen (Psychostimulanzien wie Cannabis oder Kokain) sowie der Entzug von Alkohol, Drogen und bestimmten Medikamenten (zum Beispiel Opioide) in Frage.

Medikamente als Auslöser von Agitation

Manche Medikamente können als Nebenwirkung sogenannte extrapyramidale Symptome (EPS), wie zum Beispiel Sitzunruhe (Akathisie) und gestörte Bewegungen (Dyskinesie) auslösen. Bei einer Akathisie können die Betroffenen keine Körperhaltung für längere Zeit beibehalten. Eine Dyskinesie im Gesichtsbereich äußert sich beispielsweise als unkontrollierbares Grimassieren mit Schmatz- und Kaubewegungen. Auch Arme und Beine können unwillkürlich zuckende Bewegungen ausführen. Beobachtet werden EPS gelegentlich als Nebenwirkung nach der Gabe von Neuroleptika (Antipsychotika), Dopamin-Agonisten (zur Behandlung von Parkinson), Antidementiva (zur Behandlung von Demenz) und Antiemetika (gegen Übelkeit und Erbrechen).

In seltenen Fällen tritt Agitiertheit auch nach Operationen als Nebenwirkung der Narkose auf. Grundsätzlich können Schlaf- und Beruhigungsmittel (Hypnotika, Sedativa) zu paradoxen Reaktionen führen, bei denen es zu Agitiertheit, Aggression und Verwirrtheit kommen kann. Davon sind Kinder, alte Menschen sowie organisch kranke Patienten häufiger betroffen.

1 Kasper S., et al., Die Behandlung der Agitation beim psychiatrischen Notfall. Konsensus-Statement – State of the art 2013. CliniCum neuropsy. Sonderausgabe; November 2013