Wie entstehen bipolare Störungen?

Illustration eines Gehirns schwebend über einer Hand

Stoffwechselstörungen im Gehirn können an der Entstehung bipolarer Störungen beteiligt sein.

Möglicherweise fragen Sie sich als Betroffener oder Angehöriger, ob das Auftreten der bipolaren Störung vielleicht zu verhindern gewesen wäre. Doch es ist unwahrscheinlich, dass Sie etwas dagegen hätten unternehmen können, denn bislang sind nicht einmal die Ursachen der bipolaren Störung in allen Einzelheiten geklärt.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass mehrere Faktoren an der Entstehung der bipolaren Störung beteiligt sind: Zum einen spielt eine erbliche Veranlagung eine wichtige Rolle, zum anderen kommen biologische Faktoren als Ursache in Betracht. Die an der Weiterleitung von Nervenimpulsen beteiligten Hirnbotenstoffe Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und GABA (Gamma-Aminobuttersäure) befinden sich in einem Ungleichgewicht, es liegt also eine Stoffwechselstörung im Gehirn vor. Auch scheint bei Betroffenen die Aktivität im sogenannten limbischen System verändert zu sein, dem Hirnareal, in dem Gefühle verarbeitet werden.

Was kann bipolare Störungen auslösen

Ein mögliches Erklärungsmodell für den Ausbruch einer bipolaren Störung ist das »Vulnerabilitäts-Stress-Modell«. Demnach müssen bestimmte genetische und biologische Voraussetzungen erfüllt sein, die die Anfälligkeit (Vulnerabilität) für Stresssituationen erhöht. Umweltfaktoren, zum Beispiel großer familiärer oder beruflicher Stress sowie belastende Ereignisse wie Tod oder Arbeitsplatzverlust, können unter diesen Umständen eine bipolare Störung auslösen. Persönlichkeitsmerkmale, zum Beispiel ein stark vermindertes Selbstwertgefühl, werden auch als möglicher Faktor für die Entstehung der Störung diskutiert. Letztendlich sind es verschiedene Faktoren, die in ihrem Zusammenwirken einen Ausbruch der Krankheit begünstigen können.

Wodurch sind bipolare Störungen charakterisiert?

Betroffene mit einer bipolaren Störung sind extremen Stimmungsschwankungen ausgesetzt. Diese reichen von überschäumender Euphorie bis hin zu niederschmetternder Mutlosigkeit. Dazwischen erleben viele Erkrankte auch Phasen der Normalität. Einige wechseln mehrmals jährlich zwischen manischen und depressiven Phasen, andere kommen monatelang aus ihrem Stimmungstief oder -hoch nicht mehr heraus. Zudem gibt es Mischphasen, bei denen manische und depressive Symptome gleichzeitig auftreten. Da die Formen und Verläufe der bipolaren Störung individuell so unterschiedlich sind, ist das Krankheitsbild nicht immer einfach zu erkennen.

Was sind typische Symptome für eine manische Phase?

In der manischen Phase fühlen sich viele Betroffene großartig, tollkühn, kreativ und euphorisch. Sie wirken aufgedreht, übermütig und übertrieben unternehmungslustig. Die meisten brauchen deutlich weniger Schlaf als sonst, dafür haben sie mehr Lust auf Sex. Manche kleiden sich plötzlich auffällig und unangemessen, sind in Gesellschaft distanzlos, lachen, gestikulieren und reden viel. Für Freunde und Angehörige ist dieses Verhalten befremdlich und nicht selten auch peinlich.

Hohe Risikobereitschaft, Gereiztheit und Aggression sind weitere mögliche Symptome einer manischen Phase, ebenso exzessives Einkaufen und vermehrter Alkohol- und Drogenkonsum.

In besonders schweren Fällen können psychotische Symptome auftreten, das heißt, der bipolar Erkrankte nimmt seine Umwelt verzerrt wahr, hört Stimmen oder leidet unter grenzenloser Selbstüberschätzung (Größenwahn).

Bei der milden Form der Manie – Mediziner sprechen hier von einer Hypomanie – treten die gleichen Symptome auf wie bei einer Manie, jedoch wesentlich schwächer ausgeprägt. Die Hypomanie kann Vorbote einer Manie sein und sollte daher möglichst rasch therapeutisch abgeklärt werden.

Was sind typische Symptome für die depressive Phase?

Die depressive Phase ist gekennzeichnet durch niedergedrückte Stimmung, Interesse- und Antriebslosigkeit. Die Betroffenen ermüden schnell, der Alltag ist für sie anstrengend und belastend. Sie können sich schlecht auf eine Sache konzentrieren und sind vergesslicher als sonst. Außerdem ist ihr Selbstvertrauen am Boden. Viele plagen Selbstzweifel und unangemessene Schuldgefühle. Sie grübeln viel und ziehen sich aus dem sozialen Umfeld zurück, Angst und Pessimismus machen sich breit und auch Schlafstörungen sind in der depressiven Phase häufig. Andere bipolar Erkrankte bleiben den ganzen Tag im Bett und schlafen viel. Auch körperliche Symptome, zum Beispiel Schwitzen, Schmerzen, Gewichtsabnahme oder -zunahme, können mit depressiven Episoden einhergehen.

Neben den manischen und depressiven Phasen erleben viele Betroffene auch sogenannte Mischzustände oder gemischte Episoden. Während dieser Phasen treten sowohl Symptome der Manie als auch der Depression entweder gleichzeitig oder im raschen Wechsel innerhalb weniger Stunden auf. Diese Kombination aus gesteigerter Aktivität und Depression stellt für die Betroffenen eine Gefahr dar, weil sie ihre Gedanken – auch die an Selbstmord – eher in die Tat umsetzen als überwiegend Depressive.

Verschiedene Symptome der bipolaren Störung:

  • gesteigerte Aktivität, Redebedürfnis, Rastlosigkeit
  • gesteigerte Kreativität, Ideenreichtum, Gedankensprünge
  • soziale Enthemmung, Rücksichtslosigkeit
  • Selbstüberschätzung
  • Interesselosigkeit, Antriebsmangel, Unentschlossenheit
  • Selbstzweifel, Suizidgedanken
  • Angstzustände
  • Schlafstörung, Appetitlosigkeit