Wie wird eine bipolare Störung behandelt?

Der Arzt zeigt auf eine Packung mit Tabletten zur Behandlung bipolarer Störungen

Medikamente sind wesentlicher Bestandteil einer effektiven Behandlung von bipolaren Störungen

Noch gibt es kein Heilmittel für bipolare Störungen, aber mit einer effizienten Therapie können Sie die Krankheit in den Griff bekommen. Die Bausteine der Behandlung sind Medikamente, Psychotherapie und Psychoedukation. Ihr Arzt wird mit Ihnen gemeinsam eine individuelle Behandlungsstrategie festlegen.

Zu Beginn befinden sich die meisten Betroffenen in einer akuten Phase. Je nachdem, ob es sich um eine manische oder depressive Episode handelt, wird Ihr Arzt unterschiedliche Medikamente verschreiben. Diese Akuttherapie kann mehrere Wochen, aber auch einige Monate dauern. In der nachgeschalteten Erhaltungstherapie geht es um die Stabilisierung des normalisierten Zustandes und die Verhinderung neuer manischer oder depressiver Phasen. Weil selbst nach Jahren der Beschwerdefreiheit Rückfälle auftreten können, ist eine medikamentöse Langzeittherapie, die sogenannte Rezidiv- oder Phasenprophylaxe, zur dauerhaften Vorbeugung sinnvoll.

Mit Medikamenten die Stimmung stabilisieren

In erster Linie werden zur Behandlung bipolarer Störungen sogenannte Stimmungsstabilisierer eingesetzt. Diese Medikamente wirken ausgleichend auf die übermäßigen Stimmungsschwankungen bei manischen und depressiven Episoden. Mit ihrer Hilfe erhalten Sie wieder die Kontrolle über Ihre Gefühle und Ihr Verhalten zurück. Ein gesundes Maß von Stimmungsschwankungen bleibt dabei erhalten.

Folgende Wirkstoffe werden als Stimmungsstabilisierer eingesetzt:

    • Lithium
      Eines der ältesten Arzneimittel bei bipolaren Störungen; es kann bei manischen, gemischten und depressiven Episoden die Stimmung stabilisieren.
    • Antikonvulsiva
      Medikamente gegen Epilepsie zeigen auch bei milderen manischen oder Mischphasen eine gute Wirksamkeit.
    • Atypische Neuroleptika
      Medikamente gegen Psychosen beeinflussen den Neurotransmitterhaushalt im Gehirn und bewirken so eine Stabilisierung des psychischen Zustands.
    • Antidepressiva mit stimmungsaufhellender Wirkung kommen zum Einsatz, wenn Stimmungsstabilisierer allein die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Wahrscheinlich wird Ihr Arzt eine Kombination mehrerer Wirkstoffe verschreiben. Seine Auswahl richtet sich nicht nur nach der erwarteten Wirkung, sondern auch nach möglichen Nebenwirkungen.

Mit Psychotherapie den Therapieerfolg verbessern

Die Psychotherapie ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung einer bipolaren Störung und wird meist ergänzend zur medikamentösen Therapie durchgeführt. Mit psychotherapeutischen Sitzungen wird in der Regel während der stabilisierenden Erhaltungstherapie begonnen. Die Psychotherapiekontakte können über mehrere Monate, über ein Jahr oder auch auf mehrere Jahre verteilt werden und haben sich in der Rückfallprophylaxe bewährt.

Im Wesentlichen handelt es sich bei der Psychotherapie um eine Gesprächstherapie. Das heißt, Sie sprechen mit einem Therapeuten – entweder unter vier Augen oder im Idealfall unter Einbezug Ihrer Angehörigen – über Ihren Gesundheitszustand und den Umgang damit. Der Therapeut konzentriert sich auf die Fähigkeiten, die Sie brauchen, um Ihr Leben wieder zu ordnen, sobald es Ihnen besser geht. Sie erarbeiten beispielsweise gemeinsam Maßnahmen, die Ihnen helfen, Frühwarnzeichen leichter wahrzunehmen und potenzielle Auslöser in Zukunft zu vermeiden.

Wichtig: Suchen Sie sich einen Psychotherapeuten, bei dem Sie sich wohl und gut aufgehoben fühlen. Meist arbeitet der Facharzt für Psychiatrie mit einem oder mehreren Psychotherapeuten zusammen und kann Ihnen Adressen nennen.

Durch Psychoedukation zum Experten in eigener Sache

Je mehr Sie über Ihre Erkrankung wissen, umso besser können Sie mit Ihr umgehen. Dies ist der Hintergrund sogenannter psychoedukativer Maßnahmen. Dabei sollen Sie möglichst fundiertes Wissen über bipolare Störungen erlangen und zum Beispiel Ursachen und Auslöser manischer und depressiver Phasen genau kennen, um rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Sie lernen unter anderem, wie Sie ein Stimmungstagebuch führen und welche Risiken eine Behandlungsunterbrechung haben kann.

Psychoedukationskurse werden für Betroffene, Angehörige und gemischte Gruppen angeboten, auch Einzelschulungen sind möglich. Ein absolvierter Psychoedukationskurs stellt eine gute Grundlage für eine erfolgreiche, anschließende Verhaltenstherapie dar. Viele Krankenversicherungen übernehmen dafür die Kosten. Wenden Sie sich wegen der Teilnahme an einer Psychoedukation an Ihren Facharzt, Therapeuten oder eine Selbsthilfegruppe.