Bipolare Störung als Angehöriger erkennen

Wie kann ich als Angehöriger eine bipolare Störung erkennen?

Vater fragt sich, ob seine Tochter eine bipolare Störung haben könnte

Eine bipolare Störung beginnt häufig
mit depressiven Symptomen

Ihr Angehöriger ist ungewöhnlich gereizt und streitet oft? Er tut Dinge, die für ihn untypisch sind, ist leichtsinnig oder besonders ängstlich? Oder hat er ein gesteigertes Redebedürfnis und ist geselliger als sonst? Es gibt verschiedene Anzeichen oder Symptome, die frühzeitig auf eine bipolare Störung hindeuten können.

Keines dieser Symptome bedeutet für sich genommen, dass Ihr Familienmitglied, Freund oder Partner an einer bipolaren Störung erkrankt ist. Bemerken Sie jedoch mehrere Symptome gleichzeitig oder stellen Sie dramatische Schwankungen des Befindens fest, sollten Sie mit Ihrem Angehörigen über Ihren Verdacht sprechen beziehungsweise fachlichen Rat einholen.

Frühsymptome einer bipolaren Störung

Jeder fühlt sich mal niedergeschlagen oder lustlos. Doch dies ist noch kein Grund, um sich Sorgen zu machen. Erst wenn depressive Symptome über eine längere Zeit anhalten, könnte es sich um eine beginnende bipolare Störung handeln. Mediziner wissen, dass in 60 bis 70 Prozent der Fälle die bipolare Störung mit einer depressiven Episode beginnt1. Im Unterschied zur unipolaren (einseitigen) Depression leiden die Betroffenen häufiger unter Energielosigkeit, vermehrtem Schlafbedürfnis und gesteigertem Appetit.

Viele Betroffene spüren schon in einer sehr frühen Phase – noch bevor eindeutige Krankheitszeichen für eine Depression oder Manie vorliegen –, dass eine Veränderung in ihnen vorgeht. Die in dieser Phase auftretenden Symptome bezeichnet man als Frühsymptome. Die folgende Liste mit Frühsymptomen kann Ihnen helfen, eine beginnende bipolare Störung zu erkennen. Sie ersetzt jedoch keine ärztliche Untersuchung.

Mögliche Frühsymptome

Depressive Episode

  • Verminderter Antrieb, Lustlosigkeit
  • Gedrückte Stimmung, vermehrtes Grübeln
  • Müdigkeit und Energielosigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Körperliche Beschwerden (zum Beispiel Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen)
  • Verringertes sexuelles Interesse
  • Ängstlichkeit, Nervosität
  • Gefühl der Überforderung, Erschöpfungsgefühl
  • Verringerte Belastbarkeit
  • Innere Anspannung und Reizbarkeit
  • Vermehrtes Schlafbedürfnis, Schlafstörungen
  • Vermindertes Selbstvertrauen, Selbstzweifel
  • Appetitlosigkeit oder gesteigerter Appetit

Manische Episode

  • Vermehrte Aktivität und Energie
  • Hochstimmung, unbegründete gute Laune
  • Erhöhte Leistungsfähigkeit und Kreativität
  • Sprunghaftigkeit, viele neue Ideen
  • Körperliche Unruhe und Bewegungsdrang
  • Gesteigertes sexuelles Interesse
  • Stärkere Kontaktbereitschaft, Enthemmung
  • Reduziertes Urteilsvermögen
  • Gesteigertes Redebedürfnis
  • Gereiztheit und Ungeduld
  • Vermindertes Schlaf- und Erholungsbedürfnis
  • Übersteigertes Selbstwertgefühl
  • Tollkühnes oder rücksichtsloses Verhalten

Treten manische und depressive Symptome gleichzeitig oder im kurzen Wechsel auf, spricht man von einer gemischten Episode. Zum Beispiel reden die Betroffenen viel, sind überaktiv und reizbar, gleichzeitig sind sie bedrückt und haben Selbstzweifel. So ein Verhalten macht es für Sie als Angehörigen besonders schwer, eine bipolare Störung zu erkennen und angemessen mit ihr umzugehen.

Wenn Sie die Situation sehr belastet, sollten Sie mit Ihrem Angehörigen darüber reden. Bieten Sie Ihre Unterstützung an und suchen Sie professionellen Rat. Denn die medizinische Diagnose kann nur ein Arzt stellen.

1http://www.psychose.de/wissen-ueber-psychosen-54.html