Warum erkranken Menschen an Depressionen?

Depressiver Mann stützt seinen Kopf in die Hände

Körperliche Beschwerden, zum Beispiel Kopfschmerzen, können ein Symptom für Depressionen sein.

Viele an Depressionen Erkrankte und ihre Angehörigen fragen sich, was die Depression verursacht hat und ob man etwas dagegen hätte unternehmen können. Niemand ist schuld an einer Depression und es gibt nicht nur die eine Ursache für die Entstehung. Experten sind sich darüber einig, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, um eine Depression auszulösen.

In manchen Familien treten Depressionen gehäuft auf. Deshalb geht man davon aus, dass die genetische Veranlagung eine wesentliche Rolle spielt. Neurobiologische Störungen scheinen ebenfalls an der Entstehung von Depressionen beteiligt zu sein. Nach Ansicht vieler Forscher sind bei einer Depression bestimmte Botenstoffe im Gehirn, unter anderem Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, aus der Balance geraten. Es liegt also eine Stoffwechselstörung im Gehirn vor. Auch scheint die Aktivität im sogenannten limbischen System verändert zu sein, ein Teil des Gehirns, der als stressregulierendes System angesehen wird.

Auslöser einer Depression

Manche Menschen bringen die genetischen und neurobiologischen Voraussetzungen mit, die sie für Depressionen anfälliger (vulnerabel) werden lassen. Stellen Sie sich ein Fass vor, das unterschiedlich schnell zum Überlaufen gebracht werden kann. Das Wasser, welches in das Fass fließt, steht für den beruflichen und privaten Stress oder auch für akute Belastungen, wie der Tod eines nahen Angehörigen oder der Verlust der Arbeit.

Das Fass selbst steht für den Menschen. Manche Menschen haben ein geringeres „Fassungsvermögen“ – ihre Vulnerabilität ist hoch und es kommt zu einer Depression.

Entwicklungs- und Persönlichkeitsmerkmale, zum Beispiel der frühe Verlust eines Elternteils oder mangelndes Selbstwertgefühl, werden ebenfalls als mögliche Faktoren für die Entstehung von Depressionen diskutiert. Auch Chronische Krankheiten wie Diabetes, Multiple Sklerose oder Krebs und sogar bestimmte Medikamente können bei der Auslösung einer Depression beteiligt sein. Dazu gehören unter anderem Antibiotika, Blutdruck- und Cholesterinsenker, Herzmedikamente sowie Medikamente gegen Parkinson und Epilepsie.

Gibt es weitere Risikofaktoren für die Entstehung von Depressionen?

Grundsätzlich trägt jeder Mensch das Risiko in sich, depressiv zu werden. Aus wissenschaftlichen Studien ist jedoch bekannt, dass manche Menschen offenbar empfänglicher für Depressionen sind als andere. Zu diesen gehören

  • Frauen
  • Singles
  • Großstädter
  • Vereinsamte Menschen
  • Arbeitslose
  • Menschen mit niedrigem Ausbildungsgrad
  • Alkohol-, Tabletten- und Drogenabhängige

Wichtig ist, dass Sie sich als Betroffener nicht schämen oder verantwortlich fühlen für Ihre Depression. Denn diese Gefühle können eine Depression noch verstärken. Sie sind ebenso wenig schuld an Ihrer psychischen Erkrankung wie jemand, der an Rheuma oder einer anderen organischen Krankheit leidet.

Was sind typische Symptome für eine Depression?

Eine depressive Erkrankung kann sich auf vielerlei Arten zeigen. Charakteristische Merkmale sind eine gedrückte Stimmung und der Verlust von Interessen und Antrieb. Zu Aktivitäten, zum Beispiel Hausarbeit oder Spazierengehen, können sich depressiv Erkrankte schwer aufraffen. Gespräche und selbst das Fernsehen werden als anstrengend empfunden. Soziale Kontakte werden nicht mehr aufrechterhalten und sogar Körperpflege und Nahrungsaufnahme können zur Last werden. Manche Betroffene haben kein Selbstvertrauen mehr, sie fühlen sich wertlos oder schuldig, andere machen sich übertriebene Sorgen um ihre Zukunft. Der Alltag ist geprägt von Energielosigkeit und innerer Leere. Bei einem Großteil der Erkrankten tritt die Depression in Verbindung mit Angstgefühlen auf.

Häufig stehen aber auch körperliche Beschwerden im Vordergrund, zum Beispiel

  • Schlafstörungen (Ein- und/oder Durchschlafstörungen)
  • Abgeschlagenheit, schnelle Ermüdbarkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden (Magendruck, Verstopfung oder Durchfall)
  • Verminderter Appetit, Gewichtsverlust
  • Kopfschmerzen oder andere Schmerzen
  • Herz-Kreislauf-Probleme (Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Luftnot)
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Druckgefühl in Hals und Brust, Beengtheit im Hals (sogenanntes »Globusgefühl«)
  • Schwindel, Flimmern vor den Augen, Sehstörungen
  • Muskelverspannungen, plötzlich einschießende Schmerzen
  • Sexuelle Störungen (Verlust des sexuellen Interesses, Impotenz)

Aufgrund ihres vielfältigen Symptome werden Depressionen vom Hausarzt oft nicht erkannt. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihrem Arzt nicht nur Ihre körperlichen Beschwerden schildern. Reden Sie auch darüber, wie Sie sich fühlen und welche Sorgen oder Ängste Sie belasten.