Was ist eine Psychose?

Arzt betrachtet die MRT (Magnetresonanztomographie) - Aufnahmen des Gehirns eines Patienten

Einer Psychose kann eine organische Ursache zugrunde liegen, zum Beispiel bei einem Schlaganfall oder Gehirntumor.

Psychose ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe schwerer psychischer Störungen, die unter anderem mit Realitätsverlust und Wahnvorstellungen sowie Störungen des Denkens, der Sprache und der Gefühlswelt verbunden sind. Ein einheitliches Krankheitsbild gibt es nicht; die Symptome sind individuell äußerst unterschiedlich. Menschen, die an einer Psychose erkrankt sind, haben jedoch gemeinsam, dass Realität und Fiktion verschwimmen. Zudem können vielfältige Aspekte des Verhaltens und der Kommunikation beeinträchtigt sein.

Psychosen treten bei Männern und Frauen gleichermaßen auf und sind relativ häufig: Im Laufe des Lebens erkranken etwa drei Prozent der Bevölkerung an einer Psychose1. Die zahlreichen Begriffe und Einteilungen für Psychosen sind verwirrend, da in der Literatur viele verschiedene Bezeichnungen für die gleiche Erkrankung anzutreffen sind. Die international anerkannten medizinischen Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-5 verwenden den Begriff »Psychose« nur noch eingeschränkt.

Nach ihrer Entstehungsursache werden Psychosen in organische (exogene) und nicht-organische (endogene) Psychosen eingeteilt; es gibt auch eine Einteilung nach ihrer Dauer in akute und chronische Psychosen.

Was sind exogene Psychosen?

Exogenen Psychosen liegen körperlich begründbare Ursachen zugrunde. Weitere Bezeichnungen sind symptomatische oder sekundäre Psychosen. Bei einer exogenen Psychose lassen sich eindeutige Ursachen feststellen, die mit einer organischen Veränderung oder Erkrankung des Gehirns einhergehen.

Mögliche derartige Ursachen für eine akute exogene Psychose sind beispielsweise:

  • Neurologische Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns wie Schlaganfall, epileptischer Anfall, Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) oder Schädel-Hirn-Trauma
  • Stoffwechselentgleisungen, zum Beispiel aufgrund von Diabetes oder organischen Schäden an Leber oder Nieren
  • Austrocknung (Dehydrierung) aufgrund von Flüssigkeitsmangel
  • Hohes Fieber
  • Konsum (und Entzug) von Psychostimulanzien wie Alkohol, Hanf (Cannabis), LSD, Amphetamine (zum Beispiel Crystal) und andere Drogen (»Drogen-Psychose«)
  • Nebenwirkungen einer Kortikoid-Therapie (auch »Steroid-Psychose« genannt, da Steroide der Oberbegriff für Kortikoide ist)
  • Nebenwirkungen einer Narkose nach chirurgischen Eingriffen (»Durchgangssyndrom«)

Zu einer chronischen exogenen Psychose können unter anderem folgende Krankheiten führen:

  • Demenzerkrankungen, zum Beispiel Alzheimer
  • Multiple Sklerose
  • Parkinson
  • Gehirntumor

Ärzte unterscheiden weiterhin zwischen reversiblen und irreversiblen Formen. Chronische exogene Psychosen sind oft irreversibel, das heißt, die Ursache, zum Beispiel eine Demenzerkrankung, kann nicht behoben werden, sodass die Symptomatik weiterhin bestehen bleibt. Akute exogene Psychosen hingegen sind meist reversibel, das heißt vorübergehend. Die Symptomatik verschwindet mit der Behebung der zugrunde liegenden Ursache. Konsumiert der Betroffene beispielsweise keinen Alkohol mehr, bleibt in der Regel auch der Zustand akuter geistiger Verwirrtheit  – gemeinhin als Delirium bezeichnet – aus. Übrigens ist ein Delirium oder Delir keineswegs nur auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen.

Gemäß medizinischer Definition kann auch bei Demenz oder einer Hirnschädigung ein Delir auftreten. Im klinischen Alltag wird in diesen Fällen oft von akuter Verwirrtheit, einem Durchgangssyndrom oder einem akuten Psychosyndrom gesprochen. Ein charakteristisches Kennzeichen dieses Verwirrtheitszustandes ist die Agitation. Mehr über die krankhafte Unruhe erfahren Sie hier.

Was sind endogene Psychosen?

Endogene oder nicht-organische Psychosen, auch als primäre oder funktionelle Psychosen bezeichnet, treten scheinbar ohne schwerwiegende Veränderungen im Gehirn oder Körper auf. Eine äußere Ursache ist nicht feststellbar. Die häufigste Form der endogenen Störungen ist die Schizophrenie oder schizophrene Psychose. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Begriff »Psychose« als Kurzform für die schizophrenen Erkrankungen eingebürgert. Streng genommen ist dies jedoch nicht korrekt. Denn auch die affektiven Störungen sowie schizoaffektiven Psychosen werden zur Gruppe der endogenen Psychosen gezählt. Bei letzteren liegen Symptome von schizophrenen (Halluzinationen, Wahnvorstellungen) und affektiven Psychosen (manische, depressive Zustände) bei einer Person gleichzeitig oder im Wechsel vor.

Manche Menschen reagieren auf emotional bewegende Erlebnisse mit einer akuten vorübergehenden psychotischen Störung. Auslöser kann beispielsweise der Tod eines nahen Angehörigen sein. Die Symptome wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen treten plötzlich auf und verschwinden rasch, innerhalb weniger Tage, wieder.
Woran Sie erkennen können, ob bei Ihrem Partner oder Familienmitglied eine Psychose vorliegt, lesen Sie hier.

1 Perälä J, et al. Lifetime prevalence of psychotic and bipolar I disorders in a general population. Arch Gen Psychiatry. 2007;64(1):19-28.