Wie erkennt man als Angehöriger eine Psychose richtig?

Wie kann ich als Angehöriger eine Psychose erkennen?

Eine junge Frau sitzt mit einer Zigarette in der einen und einer Rotweinflasche in der anderen Hand am Rande von Bahngleisen.

Der Missbrauch von Alkohol und Drogen kann zu einer akuten Psychose führen. Akute organische Psychosen sind medizinische Notfälle!

Die klassische Psychose gibt es nicht. Jede Psychose ist einzigartig und hat immer einen ganz individuellen Verlauf. Wenn ein Familienmitglied oder Ihr Partner Stimmen aus dem Radio vernimmt, obwohl es nicht eingeschaltet ist, oder sich von unbekannten Mächten beobachtet und verfolgt fühlt, könnte eine Psychose der Grund für diese Trugwahrnehmungen sein. Oder ein Psychotiker hält sich für einen Propheten und glaubt, am Unheil anderer Menschen schuld zu sein, obwohl es dafür keinen objektiven Grund gibt.

Mehr über die Symptome, die bei einer schizophrenen Psychose auftreten, erfahren Sie hier.

Bei Psychosen, die eine körperliche Ursache haben, wie bei Demenzerkrankungen, stehen meist Verwirrtheit und Störungen von Bewusstsein, Gedächtnis und Sprache im Vordergrund. Der Betroffene erfindet neue Wortkombinationen und Begriffe oder es fehlen ihm die passenden Worte. Häufig sind auch Stimmungsschwankungen. Antrieb und Konzentrationsfähigkeit können stark verringert sein. Der Schlaf-Wach-Rhythmus gerät durcheinander, das Zeitgefühl geht verloren. Unruhe (Agitation) und aggressives Verhalten sind keine Seltenheit.

Bei Konsum oder nach Absetzen von Alkohol und anderen Drogen kann es zu optischen Halluzinationen kommen. Betroffene sehen Schatten oder Ungeziefer durch den Raum huschen. Sie sind nicht richtig orientiert, was Ort, Zeit, die eigene Person oder die aktuelle Situation betreffen kann. Die Psychomotorik ist oftmals gestört. Die Betroffenen sind unruhig, nesteln an ihrer Kleidung oder laufen ziellos umher.

Psychosen können auch verwechselt werden

Es ist selbst für Fachleute nicht immer ganz einfach, eine Psychose zu erkennen. Die Ähnlichkeit zwischen körperlich begründbaren Psychosen und anderen schweren psychischen Erkrankungen wie einer Depression, Zwangsstörung oder Autismus ist manchmal groß. Die Unterscheidung zwischen einer akuten und einer beginnenden chronischen organischen Psychose ist nicht immer sofort möglich, zumal die Übergänge fließend sind. Zudem können Frühwarnzeichen, sogenannte Prodromalsymptome, so untypisch sein, dass die Erkrankung lange Zeit nicht erkannt wird.

Bei Verdacht auf Psychose sofort zum Arzt

Wenn Sie glauben, bei Ihrem Angehörigen könnte eine Psychose vorliegen, sollten Sie sofort professionelle Hilfe zu Rate ziehen. Akute organische Psychosen sind medizinische Notfälle!

Wenden Sie sich an einen Facharzt für Neurologie, Psychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der Hausarzt ist ebenfalls ein guter Ansprechpartner, der den Patienten gegebenenfalls an einen Spezialisten überweist. Einige Kliniken bieten Spezialsprechstunden zur Früherkennung bei Verdacht auf eine Psychose an. Die Kontaktdaten der wichtigsten Früherkennungs- und Behandlungszentren in Deutschland finden Sie hier.