Service für Betroffene und Angehörige

Orientierung und Wegweiser bei psychischen Störungen

Junger Mann steht mit einem Fernglas im Maisfeld und versucht sich zu orientieren

Hilfsangebote, Behandlungs- und Versorgungsangebote für Menschen
mit psychischen Erkrankungen gibt es viele.

Jeder Dritte in Deutschland leidet im Laufe eines Jahres an einer psychischen Störung. Am häufigsten sind Angststörungen gefolgt von Alkoholstörungen und Depressionen1.
Betroffene und Angehörige, die Rat suchen, wissen oft nicht, an wen sie sich wenden sollen. Ist der Hausarzt der richtige Ansprechpartner oder doch besser gleich zum Psychotherapeuten? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Psychiater und einem Psychologen?

In diesem Kapitel finden Sie Antworten auf diese Fragen. Zudem finden Sie zahlreiche Links und Listen mit Adressen von Organisationen und Kliniken, an die Sie sich wenden können, wenn Sie Unterstützung brauchen. Hilfsangebote, speziell für Menschen mit psychischen Erkrankungen, gibt es viele. Doch es ist oft schwierig, die passenden ambulanten und/oder stationären psychiatrischen Behandlungs- und Versorgungsangebote zu finden.

Welcher Arzt oder Therapeut ist der geeignete Ansprechpartner?

Der Hausarzt ist in den meisten Fällen der erste Ansprechpartner bei psychischen Problemen und Auffälligkeiten. Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, wenn der Sie gut kennt und Sie ihm vertrauen. Hausärzte haben ein breites Wissen, sind aber in der Regel nicht auf psychische Störungen spezialisiert. Ihr Hausarzt wird Sie daher an einen Facharzt, zum Beispiel einen Psychiater, oder Psychotherapeuten überweisen, wenn beispielsweise der Verdacht auf eine Depression, bipolare Störung oder Schizophrenie besteht.

  • Psychiater haben Medizin studiert und anschließend eine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie absolviert. Psychiater sind also Ärzte, die bei Bedarf Psychopharmaka verschreiben dürfen. Bei schweren Depressionen, bipolaren Störungen und Schizophrenie ist meist eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Therapie.
  • Ärztliche Psychotherapeuten sind Ärzte mit einer Ausbildung (zum Beispiel Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) oder einer Zusatzweiterbildung in Psychotherapie. Ärztliche Psychotherapeuten können Medikamente verordnen und Verfahren der Psychotherapie anwenden, zum Beispiel bei Angststörungen, Depressionen, bipolaren Störungen und Schizophrenie.
    Ärzte ohne psychotherapeutische Facharzt-Ausbildung bzw. geregelte Zusatzweiterbildung bieten oft auch Psychotherapien an. Jedoch werden die Kosten möglicherweise nur von einigen privaten Krankenkassen erstattet.
  • Diplom-Psychologen sind keine Ärzte und auch nicht automatisch Therapeuten. Nur wer im Anschluss an sein Psychologiestudium eine Psychotherapieausbildung absolviert und eine kassenärztliche Zulassung erworben hat, kann als psychologischer Psychotherapeut Therapien über die Krankenkasse abrechnen. Psychopharmaka dürfen psychologische Psychotherapeuten jedoch nicht verschreiben. Es kann sinnvoll sein, sich mit Ängsten, Zwangsstörungen oder Burn-out an einen psychologischen Psychotherapeuten zu wenden. Wird eine medikamentöse Behandlung erforderlich, wird der psychologische Psychotherapeut an einen Arzt, zum Beispiel Psychiater, überweisen.

Früher war immer eine Überweisung durch den Hausarzt notwendig, um eine Therapie bei einem psychologischen Psychotherapeuten oder Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche zu beginnen. Das ist heute nicht mehr so. Sie können sich auch direkt an einen Psychotherapeuten oder Psychiater wenden. Sie müssen in jedem Fall mit längeren Wartezeiten rechnen, um einen Ersttermin zu bekommen. In dringenden Fällen sollten Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik wenden.

Eine Liste mit Früherkennungs- und Therapiezentren für Psychosen und psychische Störungen finden Sie hier.

Wie finde ich psychiatrische Behandlungs- und Versorgungsangebote?

In vielen deutschen Städten wurden sogenannte regionale Psychiatrie-Wegweiser eingerichtet. Dort finden Sie entsprechende psychiatrische Behandlungs- und Versorgungsangebote in Ihrer Nähe. Starten Sie am besten mit Ihrer Suche unter dem Stichwort „Psychiatrie-Wegweiser“ im Internet. Eine wichtige Anlaufstelle sind auch die Sozialpsychiatrischen Dienste (SPD). Diese bieten Beratung und Hilfen für Menschen mit psychischen Störungen. Sowohl Patienten als auch Angehörige können die kostenlosen Dienste in Anspruch nehmen, ohne dass dafür irgendwelche formalen Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

In den meisten Sozialpsychiatrischen Diensten arbeiten Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie zusammen mit Sozialpädagogen. Manchmal sind dort auch zusätzlich Psychologen, Krankenpflegekräfte und Ergotherapeuten beschäftigt. Die Mitarbeiter unterliegen alle der Schweigepflicht. Die Sozialpsychiatrischen Dienste sind in den meisten Fällen den Gesundheitsämtern angegliedert.

Weitere wichtige Adressen und Links finden Sie in den folgenden Kapiteln.

1http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Degs/degs_w1/Symposium/degs_psychische_stoerungen.pdf?__blob=publicationFile